Bouldern Heute

Bouldern ist eine neue Trendsportart, die zwar nicht wirklich neu ist, aber scheinbar jetzt bei den Menschen ankommt und sich zu einem Trend entwickelt.

Bouldern bedeutet klettern in Absprunghöhe, d.h. man benötigt dafür keine große Ausrüstung und keinen Sportpartner. Das Wort "Boulder" kommt aus dem englischen und heißt "Felsblock". Wenn Du daraus ableitest, dass das in den Anfängen eine Outdoor Disziplin war, hast Du vollkommen recht.

Inzwischen gibt es reine Boulderhallen, wo Du diesen schönen Sport bei jedem Wetter ausüben kannst. Wo es keine Boulderhallen gibt, findest Du zumindest Kletterhallen, die dann zumeist wenigstens eine kleine Boulderhalle oder eine Boulderecke haben. Besser als garnichts. Und was nicht zu unterschätzen ist: Du findest in den Boulderhallen Gleichgesinnte. Du kannst bei anderen abgucken, wie die bouldern, und man findet auch recht leicht ins Gespräch. Schnell haben sich dann Gruppen gebildet, die sich regelmäßig zum Bouldern treffen.


Tipps für Anfänger des Boulderns

Ich hatte es bereits angesprochen, Du brauchst keine große Ausrüstung zum Bouldern. Sehr lockere Sportkleidung, also ein sehr bequemes T-Shirt und eine sehr lockere und bequeme Sporthose reichen vollkommen aus. Ich habe für mich die besten Erfahrungen mit ärmellosen T-Shirts und Joggingshorts gemacht. Ich setze mich dabei zwar dem Risiko von Hautabschürfungen an den Beinen aus (die Boulderwände sind im Allgemeinen rau), aber ich kann damit leben.

Mit den Schuhen sieht es anders aus. Es gibt spezielle Boulderschuhe, die an der Wand auch absolut Sinn machen. Wenn Du nur erst einmal reinschnuppern möchtest, dann leih Dir in der Boulderhalle welche aus. Aber Achtung: Boulderschuhe sind sehr, sehr eng. Ich selbst habe normalerweise Schuhgröße 42, in Boulderschuhe Größe 42 bin ich nicht reingekommen, habe dann beim ersten Mal mit Größe 43 gebouldert und war froh, als ich die Schuhe endlich wieder ausziehen konnte. Gekauft habe ich mir dann Boulderschuhe in 43 1/2. Probier sie an und entscheide, ob Du damit klar kommst.


Die Routen

Du wirst an einer gut geschraubten Wand die Boulderrouten farblich abgesetzt erkennen können. Die Farbe definiert den Schwierigkeitsgrad der Route, schau Dir also zuerst einmal in der Halle die Beschreibung an, welche Farbe welchen Schwierigkeitsgrad bedeutet und fang mit der einfachsten Farbe an. Das ist keine Schande, auch wenn Du dort Leute bouldern siehst, die bereits einige Grade weiter sind. Jeder hat mal angefangen und hat mit eben dem Einstiegslevel begonnen.

Bleibe, wenn Du die Route boulderst, immer bei der Farbe mit der Du sie begonnen hast - schau Dir dazu einmal genau unser Foto im Header an, die junge Lady bouldert eine violette Route an einem Überhang. Wenn also der Einstiegslevel z.B. gelb ist und Du hast eine gelbe Route begonnen, greife immer die gelben Boulder und setze Deine Füsse immer auf eben auch gelbe Boulder. Der Startboulder und der Zielboulder sind mit einem kleinen Fähnchen markiert, Du weisst also, wo Du startest und wo die Reise hingeht. Du hast die Route nicht geschafft? Kein Problem, gleich nochmal an die Wand. Eine Route gilt dann als geschafft, wenn Du den Zielboulder erreicht hast und Dich mindestens 2 Sekunden an ihm festhältst.

[ An dieser Stelle muss ich eine Klammer aufmachen, da noch ein kleiner Exkurs zu den Farben notwendig ist, denn es gibt verschiedene Systeme:
In manchen Hallen ist die Farbe der Griffe eine klare Definition bzw. Ansage, d.h. Du erkennst in den Grifffarben die Schwierigkeitsgrade wieder. Die Farbe der Start-/Zielfähnchen ist hier egal. Also bei gelbem Einstiegslevel nimmst Du die gelben Griffe und Tritte.
Anders sieht es in der zweiten Kategorie der Hallen aus: hier bestimmt eben gerade die Farbe der Start-/Zeilfähnchen die Farbe (und damit den Schwierigkeitsgrad) der Route. Steht hier also z.B. gelb für das Einstiegslevel, dann suche Dir als Einsteiger die gelben Startfähnchen. Die gelbe Route kann auf grünen, roten oder sonstwiefarbenen Griffen geführt werden.
Dir will sich die Sinnhaftigkeit des zweiten Systems nicht wirklich erschliessen? Mach Dir nichts draus, mir auch nicht. Denn hier passen dann mitunter die Griffe bzw. deren Schwierigkeit nicht zum jeweiligen Farbschwierigkeitsgrad. Klammer zu.]

Bouldern beudetet, gegen sich selbst und seine Unzulänglichkeiten anzukämpfen. Bouldern bedeutet Problemlösungen zu finden. Wer möglichst hoch hinaus will, der ist in einer Kletterhalle besser aufgehoben. Auch Anfängerrouten haben ihren Anspruch an den Boulderer; bevor Du eine Route angehst, schau sie Dir genau an: wo kannst Du mit den Händen hingreifen, wohin die Füsse setzen. Gerade bei den allerersten Erfahrungen ist es sinnvoll, jemanden dabei zu haben, der bereits Bouldererfahrung hat und Dir, wennn Du an der Wand hängst, sagen kann, wie es weitergeht.


Fitness

Wenn Du einen einigermaßen gescheiten Fitnesslevel mitbringst, brauchst Du Dich nicht weiter vorzubereiten. Beim Bouldern werden Muskeln beansprucht, von deren Existenz Du vorher bestimmt nichts wußtest. Der Muskelkater nachhher wird sie Dir verraten. Die ersten Male wirst Du bestimmt Muskelkater bekommen, aber mit steigendem Trainingslevel läßt das nach.

Kraft wirst Du in den Händen benötigen, in den Schultern und in der gesamten Rumpfpartie. Vor allem bei Überhängen und Tunneln kommt es auf Körperspannung an, denn die Gravitation möchte Dich immer zu Boden ziehen, Du aber willst ja an der Wand bleiben.

Fange keinesfalls mit Überhängen an, denn Du brauchst zuallererst einmal Erfolgserlebnisse und die bekommst Du an senkrechten Wänden. Dort bekommst Du auch ein Gefühl dafür, worauf es beim Bouldern ankommt, die Route und die Problemlösung. Du bekommst auch ein Gefühl für die Griffe und Tritte und wenn Du Dich an der Wand sicher fühlst, kannst Du die Anforderungen steigern und neue Herausforderungen suchen.


Verletzungen

Ich selbst habe noch keine größeren Verletzungen davongetragen, aber ohne kleinere geht es nicht ab. Am häufigsten sind wohl Blasen an den Händen, denn die Hände werden sehr stark beansprucht und da kann sich schon einmal die Haut an den Fingern oder den Handflächen lösen. Dagegen hilft spezielles Tape, das Du in angegliederten Shops oder in Geschäften für Kletterbedarf bekommst. Du brauchst es für den Start noch nicht.

Ansonsten gibt es Schürfwunden, da die Wände in den Boulderhallen meistens rau sind. Wenn Du Pech hast und rutschst ab und kommst beim Fallen nicht von der Wand weg, können das auch durchaus größere und sehr unangenehme Schürfwunden werden. Ich weiß von derartigen Fällen, habe sie aber selbst noch nicht erlebt.

Halte Deine Fingernägel und Fussnägel sehr kurz. Die Fingernägel stören beim Greifen der Boulder, Du wirst in kürzester Zeit raue und/oder eingerissene Fingernägel haben, wenn Du sie nicht sehr kurz hältst. Bei den Fußnägeln ist es so, dass sie am Schuh anstossen und das Nagelbett gereizt werden kann, im schlimmsten Fall geht das bis zu einer Nagelbettentzündung. Außerdem reiben die Fußnägel an den angrenzenden Zehen und können sie aufreiben. Das ist ebenso unangenehm wie überflüssig.

Bei sehr starker Belastung können Kapselverletzungen an den Fingern auftreten sowie Verletzungen der Sehnen, Bänder und Muskeln. Hast Du entsprechende Schmerzen, dann hilft nur noch eine Pause und gegebenenfalls ein Besuch bei einem Arzt Deines Vertrauens..

Wenn Du am Ende der Route keinen Austieg hast und abspringst oder in der Route abrutschst und fällst, kannst Du Dir im schlimmsten Fall einen Fuß oder ein Bein brechen. Das sind aber Fälle, die normalerweise in der Halle nicht vorkommen, da die Böden in den Boulderhallen mit dicken Matten ausgelegt sind, sondern eher beim Bouldern outdoor. Mir haben die Fallübungen aus dem Judo sehr dabei geholfen, richtig aufzukommen bzw. richtig zu fallen, abzurollen und abzuklatschen.


Das Verhalten in Boulderhallen

Eigentlich sollte man nicht darüber sprechen müssen, aber ich tue es trotzdem. Gehe immer mit offenen Augen durch die Hallen und nimm Rücksicht auf andere. Wenn an einer Stelle jemand bouldert, besteht die Möglichkeit, dass er abrutscht oder abspringt und wenn Du keinen ausreichendern Abstand hast, springt er womöglich auf Dich drauf und beide können sich böse Verletzungen zuziehen. Das ist absolut unnötig, denn Abstand halten kann jeder.

Wenn Du eine interessante Route siehst, die Du gerne bouldern möchtest, aber jemand anders ist bereits an der Wand, dann warte geduldig, bis sie wieder frei ist. Du kannst dann in aller Ruhe die Technik anderer studieren. Gegebenenfalls kann man sich auch miteinander absprechen und abstimmen, das geht in Boulderkreisen im Allgemeinen recht einfach, da die meisten sehr locker drauf sind.

Bouldern ist kein Stresssport, sondern man nimmt sich Zeit dafür. Viele sind 2-3 Stunden in der Halle, bouldern ein paar Routen, entspannen eine Weile, schnacken mit anderen, schauen zu und bouldern dann wieder einige Routen. So hat man Entspannung und schafft aber dennoch deutlich mehr, als wenn man sich gleich auspowert und nach kurzer Zeit keine Kraft mehr für weitere Herausforderungen hat.

Wenn Du Deine Kinder in die Halle mitnimmst, sorge dafür dass sie nicht wild durch die Hallen rennen. Kinder achten nicht darauf, ob jemand gerade an der Wand ist und vielleicht abrutschen könnte oder abspringen will. Wenn Du die Gesundheit und das Leben Deiner Kinder schützen möchtest, beaufsichtige sie.


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